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Verwendung und Messung der Geschwindigkeit von Motorfahrrädern Rollenprüfstand

Aktuelle gesetzliche Bestimmungen zur Messung der Geschwindigkeit von Motorfahrädern am Rollenprüfstand.
1. Einleitung
Im Bereich Motorfahrrad-Geschwindigkeitsmessung wird der Erlass vom 08.05.2009, BMVIT-
179.302/0001-II/ST4/2008 durch diesen aufgehoben.

2. Rollenprüfstände
Von der Exekutive werden zur Ermittlung der Geschwindigkeit von Motorfahrrädern mobile
Rollenprüfstände eingesetzt. Diese bestehen aus einem Rollensatz, einem Geber sowie der
Auswerteeinheit. Die Zulassung dieser Geräte zur Eichung erfolgte durch das Bundesamt für
Eich- und Vermessungswesen. Bei der Messung werden die Rollen durch das zu messende
Motorfahrrad angetrieben und entsprechend der erreichten Geschwindigkeit ermittelt.
Um die so festgestellte Geschwindigkeit im Hinblick auf eine mögliche Überschreitung der
Bauartgeschwindigkeit zu relativieren wurden Vergleichsmessungen bei der Bundesprüfanstalt
für Kraftfahrzeuge im Beisein von Vertretern des BMI sowie des BEV mit verschiedenen Typen
von Motorfahrrädern mit folgendem Ergebnis durchgeführt:
2.1. Es hat sich gezeigt, dass der angezeigte Geschwindigkeitswert aufgrund des fehlenden
Luft- und Rollwiderstandes höher ist als der tatsächlich im realen Fahrbetrieb auf der Straße
erreichbare Wert.
2.2. Mit zunehmender realer Fahrgeschwindigkeit nimmt der Messfehler bei der Prüfung auf der
Rolle zu.
2.3. Zur Erreichung eines realen Messergebnisses wären auch die Fahrzeuge entsprechend den
einschlägigen Richtlinien mit einem Lenker mit einem Gewicht von 75 kg +- 2 kg zu belasten.
Daneben spielen auch die atmosphärischen Bedingungen (wie Luftdruck, Temperatur,
Luftfeuchtigkeit) eine wesentliche Rolle.
2.4. Die Höchstgeschwindigkeit darf im Rahmen einer Konformitätsprüfung nach der Richtlinie
95/1/EG zur bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit um +-5% von dem bei der
Bauartgenehmigungsprüfung ermittelten Wert abweichen, wobei dieser selbst wiederum
maximal 5% über den vom Hersteller angegebenen Wert liegen darf (daraus ergibt sich ein
praktischer Wert von 49,6 km/h).

3. Referenzwerte
Daraus und unter der Berücksichtigung der im Bescheid des BEV vom 12.01.2001 festgelegten
Messwerttoleranzen ergibt sich, dass bei Erreichen eines Messwertes von 66 km/h auf dem
Mopedprüfstand, die gesetzlich zulässige Bauartgeschwindigkeit von 45 km/h im realen
Fahrbetrieb mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit deutlich überschritten werden
kann.
Bei erheblicher Überschreitung der Bauartgeschwindigkeit (45 km/h) durch einspurige
Kraftfahrzeuge, die ab einem gemessenen Wert am Rollenprüfstand von 76 km/h vorliegt, ist
keinesfalls mehr von einem Motorfahrrad auszugehen und besteht die Gefahr, dass der Lenker
durch das fortgesetzte Lenken mit einem nicht auf derartige Geschwindigkeiten ausgelegten Kfz
die Verkehrssicherheit gefährdet.

4. Sonderfälle/Ausnahmen
Bei Motorfahrrädern mit Drosselung durch einen Drehzahlgeber am oder im Vorderrad
oder bei Motorfahrrädern mit 4-Taktmotoren ist eine Überprüfung mit dem Rollprüfstand
wegen der Unwirksamkeit der Drosselung bei diesem Prüfvorgang nicht aussagekräftig
und darf daher auch nicht durchgeführt werden.
Seitens der Exekutive sind für jene Fälle, wo Rollentester nicht anwendbar sind, nur noch
Messungen während der Fahrt mit Laserpistolen oder Radargeräten zulässig.
Eine Liste jener Fahrzeuge, bei welchen die Prüfung mittels Rollentester nicht zulässig ist, wird
von der Wirtschaftskammer Österreichs erstellt und aktualisiert und vom Bundesministerium für
Verkehr, Innovation und Technologie im Wege des Bundesministeriums für Inneres, den
Landespolizeikommanden übermittelt.
Sofern ein Motorfahrrad über eine Drosselung durch einen Drehzahlgeber am oder im Vorderrad
und/oder einen Antrieb mit 4-Taktmotor verfügt, ist es so einzustufen als ob es gelistet wäre.
Bei Motorfahrrädern mit einer Drosselung durch einen Drehzahlgeber am oder im
Vorderrad ergibt sich am Rollentester die Problematik, dass das Vorderrad während des
Prüfvorganges stillsteht und nicht wie im realen Fahrbetrieb mitläuft. Dies ist die Ursache
für das fehlende Abregelsignal – das Motorfahrrad beschleunigt bis zur Drehzahlgrenze.
Bei Motorfahrrädern mit einem 4-Taktmotor tritt im Rahmen des Testvorganges am
Rollentester die Problematik auf, dass der Abregelmechanismus, aufgrund des
fehlenden Luftwiderstandes nicht greift.
Dies ist begründet in einem Resonazverhalten, das auftritt, sofern man beim Erreichen
der Abregeldrehzahl weiter Vollgas gibt. In diesem Moment ist eine leichte Verzögerung
des Drehzahlanstieges zu erkennen. Anschließend steigt die Drehzahl bis zur
Drehzahlgrenze an. Wäre ein entsprechender Luftwiderstand vorhanden, so wäre der
Anstieg bis zur Drehzahlgrenze nicht mehr möglich.

5. Durchführung der Messung:
Unter Bezugnahme auf Pkt. 2.) wird für die ordnungsgemäße Durchführung einer Messung mit
dem Rollenprüfstand darauf hingewiesen, dass das Motorfahrrad während des gesamten
Messvorganges jedenfalls mit mindestens 75 kg zu belasten ist und dass es während des
gesamten Messvorganges zu keiner Entlastung des Hinterrades kommt. Dabei hat die das
Motorfahrrad, während des Prüfungsvorganges bedienende Person den Lenkerplatz in einer
dem realen Fahrbetrieb entsprechenden Position, mit beiden Füßen auf den Fußrastern,
einzunehmen. Ein weiterer an der Überprüfung beteiligter Beamter hat die am Motorfahrrad
sitzende Person entsprechend so abzusichern, dass keinesfalls dabei eine Entlastung des
Antriebsrades möglich ist.
Im Rahmen der Messung ist weiters darauf zu achten, dass der Beginn des roten
Drehzahlbereiches nicht erreicht wird. Drehzahlen innerhalb des roten Drehzahlbereiches sind
unzulässig.
Sofern eine Überschreitung des Referenzwertes von 66 km/h gegeben ist, ist über den
Messverlauf vom durchführenden Beamten ein Messprotokoll gemäß Beilage anzulegen, zu
unterfertigen und im Falle der Anzeigeerstattung oder einem eventuellen Antrag auf
Überprüfung nach § 56 KFG auf der Dienststelle abzulegen und auf Anforderung der
zuständigen Behörde zu übermitteln.
Im Hinblick auf die im Zuge des Ermittlungsverfahrens durch die Behörde notwendige
Beweisführung – vor allem im Zusammenhang mit der erst zu einem späteren Zeitpunkt
stattfindenden Überprüfung gemäß § 56 KFG – sind etwaig feststellbare Manipulationen zu
dokumentieren.

6. GPS-Anwendung für Sachverständige
Für Sachverständige im Rahmen von § 56 und § 58 KFG 1967 Untersuchungen dürfen
Messungen während der Fahrt mit Laserpistolen, Radargeräten oder mit geeigneten GPS
Geräten erfolgen.
GPS Geräte sind einmalig vor Inbetriebnahme mit einer Geschwindigkeitsmessung (z.B.
Lasermessung, geeichter Geschwindigkeitsmesser) abzugleichen.
Da keine genormten Messbedingungen vorliegen, ist eine zusätzliche Toleranz von 5
km/h zu berücksichtigen.
Der im Fahrbetrieb gemessene Wert muss innerhalb des von den
Gemeinschaftsbestimmungen vorgegebenen Toleranzbereiches bis zu 49,6 km/h
zuzüglich der für Radar- bzw. Lasermessungen und GPS-Messung Messtoleranzen von
3 bzw. 5 km/h liegen, wobei es sich keinesfalls um eine Strecke mit das Messergebnis
maßgeblich beeinflussendem Gefälle handeln darf und die erforderlichen
Belastungsverhältnisse gegeben sein müssen. Im Rahmen von Prüfungen nach § 56
oder § 58 KFG muss die Fahrstrecke in beiden Richtungen durchfahren werden und ist
der Mittelwert aus beiden Messungen heranzuziehen um auch Windeinflüsse weitgehend
ausschließen zu können.

7. Abschließend wird darauf hingewiesen, dass eine auf dem Rollenprüfstand angezeigte
Geschwindigkeit von 66 km/h und darüber (nur Indiz) für sich allein noch nicht das
Vorliegen eines Tatbestandes gem. § 1 Abs. 3 FSG darstellt.